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Radtour durch blühende Felder

Es gibt diesen Moment im Mai — man fährt mit dem Rad durch Schleswig-Holstein, biegt irgendwo zwischen Neumünster und Rendsburg ab, und plötzlich explodiert links und rechts das Gelb. Leuchtendes, fast absurdes Gelb bis zum Horizont, der Duft hängt in der Luft, und man denkt sich: Warum kann ich das nicht planen? Genau das tut RapsRoute. Nicht auf Basis von „da war letztes Jahr Raps" (Fruchtfolge, Leute!), sondern anhand der Felder, die jetzt gerade gelb sind — bestätigt durch Sentinel-2-Satellitenbilder, nicht älter als ein paar Tage.

Zwei Modi: Strecke und Rundtour

Für das Routing nutze ich OpenRouteService — Open Source, basierend auf OpenStreetMap, insofern eine solide Grundlage. Bei einer A-nach-B-Route berechne ich zunächst den direkten Weg, suche dann blühende Felder in einem Korridor entlang der Strecke und füge die vielversprechendsten als Zwischenstopps ein (große Felder, gut verteilt, nicht alle auf einem Haufen). Der Algorithmus prüft, ob der Umweg im Budget bleibt; falls nicht, fliegen die am wenigsten effizienten Stopps raus. Pragmatisch.

Rundtouren sind die eigentliche Herausforderung — kein Ziel, nur ein Startpunkt und eine Wunschdauer. Stellt sich die Frage: In welche Richtung überhaupt? Der Algorithmus berechnet mehrere Varianten in unterschiedlichen Richtungen und Formen und bewertet jede nach ihrem Raps-Score: Wieviel blühende Fläche liegt im Korridor der Route? Die beste gewinnt. Kein Raten, kein Zufall — ein systematischer Ansatz, der den Suchraum gezielt abdeckt.

Sackgassen und Kugelgeometrie

Manchmal führt die Routing-Engine zu einem Zwischenstopp und auf dem gleichen Weg zurück — das Feld liegt an einer Sackgasse. Auf dem Rad eher suboptimal (um es freundlich auszudrücken). Der Algorithmus erkennt solche U-Turns in der Routengeometrie und schmeißt den Stopp raus. Für die Entfernungsberechnung zwischen Route und Feldern reicht die Haversine-Formel — bei unter 50 km Distanz wäre Genaueres schlicht Overengineering, und m. E. muß man nicht jede Berechnung auf den letzten Zentimeter trimmen.

Vom Browser aufs Rad

Fertige Routen lassen sich als GPX exportieren (inklusive Blühfelder als Wegpunkte) oder direkt in Google Maps bzw. Komoot öffnen. Außerhalb der Saison zeigt ein Demo-Modus Beispielrouten mit Daten der letzten Blütezeit — damit man wenigstens sieht, was einen erwartet.

Die öffentliche ORS-Cloud hat enge Tageslimits, und jede Rundtour frißt mehrere Anfragen für die Variantensuche. Inzwischen läuft der Routing-Server daher selbst gehostet, zugeschnitten auf Schleswig-Holstein. Das erlaubt deutlich aggressiveres Optimieren — mehr Varianten, mehr Raps, bessere Touren — ohne ständig gegen ein Limit zu rennen.