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Satellitenbilder per E-Mail

Man kennt das: Man hat sich vorgenommen, dieses Jahr die Rapsblüte nicht zu verpassen, und dann ist es plötzlich Juni und alles vorbei. Ich wollte genau dieses Problem lösen — nicht mit einer App (die man installieren muß und die dann Benachrichtigungsrechte will und überhaupt), sondern mit dem ältesten Push-Kanal des Internets: E-Mail. Du wachst morgens auf, öffnest dein Postfach, und da ist ein Satellitenbild deiner Region. Gelbe Flecken leuchten zwischen den grünen Feldern — die Rapsblüte hat begonnen, und zwar nicht irgendwo, sondern genau in dem Umkreis, den du selbst gewählt hast.

Wann soll eine Mail rausgehen?

Vier Auslöser, jeder mit eigener Logik: Erste Blüte der Saison (einmal pro Jahr, der große Moment), deutliche Zunahme der Blühfläche (mit Cooldown, damit man nicht jeden Tag belästigt wird), DWD meldet Blütebeginn an einer Station (oft Tage vor den Satelliten — die ehrenamtlichen Beobachter sind erstaunlich schnell), und eine Wolken-Info, wenn seit über einer Woche kein wolkenfreies Bild kam. Norddeutschland und Wolken — man kennt sich, insofern eine durchaus relevante Funktion ;-) Eine Sicherung verhindert Fehlalarme: Satelliten-Trigger feuern nur, wenn der DWD die Blüte als bevorstehend einstuft. Lieber eine Mail zu wenig als eine falsche.

DSGVO und die Freuden des HTML-Mailings

Jeder Nutzer durchläuft Double-Opt-In mit kryptographisch signierten, zeitlich begrenzten Links. Abmeldung ist ein Klick — Hard Delete, Artikel 17 DSGVO, keine Rückfragen, keine „Schade, daß du gehst"-Seite. Der Abmelde-Link steckt zusätzlich im Mail-Header für den nativen Abmelden-Button der Clients.

Und dann: HTML-Mails. (Ich seh förmlich das Mitleid in den Augen erfahrener Entwickler.) HTML-Mails, die in Gmail, Outlook und Apple Mail gleich aussehen, sind im Grunde CSS-Debugging aus dem Jahr 2005: keine Flexbox, kein Grid, alles inline-gestylt in verschachtelten Tabellen. Base64-eingebettete Bilder wären der einfachste Weg gewesen, aber Gmail blockiert die. Also CID-Embedding: Bilder als Anhang, intern per Referenz-ID verknüpft. Funktioniert offline, kein Tracking-Pixel-Verdacht bei den Mailclients. Die Copernicus-PNGs konvertiere ich nach JPEG — über 50 % kleiner bei kaum sichtbarem Qualitätsverlust.

Deep-Links und Architektur

Jede Mail enthält einen Button, der gezielt zum Kartenausschnitt mit der größten Blühfläche rund um den Nutzerstandort führt — vom Postfach direkt auf die Karte, ein Klick. Versendete Benachrichtigungen werden pro Nutzer und Auslöser protokolliert, damit niemand doppelt beschickt wird (selbst wenn der Job mehrfach läuft). Der Versand läuft als CLI-Prozeß, um Timeouts auf dem Shared Hosting zu vermeiden.

Das System ist live, und was mich am meisten freut: Die HTML-Mails sehen in allen getesteten Clients tatsächlich gleich aus. CID-Embedding war die richtige Entscheidung — auch wenn der Weg dorthin, nun ja … lehrreich war :-)